So nutzt ihr die Gesprächsfragen.
Drei Dinge reichen: euer Kind zeigen lassen, offen fragen, seine Antwort aufgreifen. Dann erzählt euer Kind selbst mit, statt nur zuzuhören.
Vorlesen mit Gespräch
Fachleute nennen das dialogisches Lesen: Ihr lest nicht nur vor, sondern sprecht mit eurem Kind über das Buch. Ihr stellt offene Fragen, zeigt auf das, was euer Kind im Bild entdeckt, und greift auf, was es sagt. So hört euer Kind nicht nur zu, sondern erzählt selbst mit.
So könnt ihr es machen
Lasst euer Kind zeigen, was es entdeckt, und sagt, was es ist: „Da ist die Maus.“ Gerade mit Ein- und Zweijährigen ist das schon ein Gespräch.
Fragen mit was, wo und wer laden zum Erzählen ein: „Was macht die Maus da?“ Auf eine Ja-oder-Nein-Frage reicht ein Wort.
Sagt euer Kind „Maus weg“, könnt ihr antworten: „Ja, die Maus läuft weg.“ So hört es, wie der ganze Satz klingt.
Fragen wie „Kennst du das auch?“ verbinden die Geschichte mit dem, was euer Kind selbst erlebt.
Ihr müsst nicht alle Fragen stellen. Wenn euer Kind lieber zuhört oder weiterblättern will, blättert weiter.
Welche Fragen zu welchem Alter passen
Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich, Altersangaben sind nur grobe Richtwerte. Die folgende Einteilung leiten wir aus Angaben zur Sprachentwicklung ab. Sie ist eine Orientierung, keine Regel.
- Um zwei Jahre: zeigen und benennen lassen, etwa „Wo ist der Hund?“. Viele Kinder sprechen in diesem Alter in Zwei-Wort-Sätzen und verstehen schon deutlich mehr, als sie sagen.
- Ab etwa drei Jahren: nach Gründen und Gefühlen fragen, etwa „Warum ist die Maus traurig?“. Sätze mit „weil“ kommen bei vielen Kindern um diese Zeit dazu.
- Ab etwa vier bis fünf Jahren: weiterdenken lassen, etwa „Was wäre, wenn die Maus sich nicht getraut hätte?“.
Wenn ihr euch Sorgen um die Sprachentwicklung eures Kindes macht, sprecht mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt.
Über Gefühle sprechen
Kinder brauchen Erwachsene, um ihre Gefühle in Worte zu fassen und zum Beispiel Wut, Trauer und Angst auseinanderzuhalten. Gespräche über Gefühle helfen ihnen, damit umgehen zu lernen. Eine Frage wie „Wie geht es der Maus jetzt?“ ist dafür ein guter Anlass. Dabei geht es zuerst um die Figur und noch nicht um euer Kind.
Was die Forschung sagt
Eine Auswertung von 19 Studien mit zusammen 2.594 Kindern im Alter von etwa einem bis sechs Jahren hat Programme untersucht, die Eltern dieses gemeinsame Lesen zeigen. Danach schnitten die Kinder in Sprachtests etwas besser ab als Kinder ohne ein solches Programm, beim Sprechen wie beim Verstehen. Die Wirkung war klein und wurde kurz nach dem Programm gemessen. Ob sie anhält, ist noch offen.
Wenn euch etwas Sorgen macht
Ein Bilderbuch kann ein Gespräch öffnen. Eine Beratung ersetzt es nicht. Wenn euch etwas länger Sorgen macht, sind die Kinderarztpraxis oder eine Erziehungsberatungsstelle ein guter erster Weg.
Bücher nach Thema finden →Quellen
- Dittmann, J. (2020): Der Spracherwerb des Kindes. Verlauf und Störungen. 4. Auflage. München: C.H. Beck, Kapitel 3 bis 6.
- Dowdall, N., Melendez-Torres, G. J., Murray, L., Gardner, F., Hartford, L. & Cooper, P. J. (2020): Shared picture book reading interventions for child language development: A systematic review and meta-analysis. Child Development 91(2), e383–e399. doi.org/10.1111/cdev.13225
- Fröhlich-Gildhoff, K. & Rönnau-Böse, M. (2024): Resilienz. 7. Auflage. München: Ernst Reinhardt (utb), Kapitel 3.
- Kurwinkel, T. (2024): Bilderbuchanalyse. Narrativik – Ästhetik – Didaktik. 3. Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto (utb), Kapitel 4.1.
- Tang, M., Lau, K.-L. & Du, Y. (2026): Effects and moderators of dialogic reading on children’s reading literacy: A three-level meta-analysis on studies from 2000 to 2025. International Journal of Educational Research 137, 102963. doi.org/10.1016/j.ijer.2026.102963